Ich hatte mich entgegen meiner Gewohnheit heute einmal in
ein weißes Hemd und Sacko gezwängt, bunten Seidenstrick
um den Hals gebunden und auf den Weg zur Krankenkasse gemacht.
Rechnungen einreichen um einen Zuschlag zum Heizöl meinem Konto
gut schreiben zu lassen.
16 KM mit dem Auto nach Stuttgart, offen, weil Cabrio hat man ja nicht
um ein sonst.
Einen Parkplatz in der Nähe des Rotebühlplatzes* gefunden, der mir
relativ sicher schien, weil dort die gesamte Stuttgarter Schmier* ihr Vesper
holt und stets selbst in zweiter Reihe parkt. Mir gehörte die erste Reihe.
Also zügig die 50 Meter per Pedes Richtung Debeka.

Bei Meter Zehn nehmen mich zwei halbe Lungen in die Zange.
” Hei alter Mann,haste ‘ne Mark für wassu Essen?”.
Mark ? Euro ?
“Ja dann ebend zwei Euro”.
Nee, aber wenn ihr Lust habt, könnt Ihr meinen Garten umgraben, ich
bezahl auch gut. Mein mürbes Kreuz, wißt Ihr?
“Oldman wa ??” Ja, oldman Jo.
Der picklige Heublonde kriegte sich nicht mehr ein.
” Ich kenn nur einen oldmanjo, von dem ham wir mal im JKG so einfache
Flash- Beispiele besprochen.”
Ja, genau, das bin ich dann wohl.
“Hey, dann biste ja ‘n Bulle, Du warst doch mal hier unten immer und hast
die Dealer gejagt !”
Nee, war ich mal. Ich bin in Pension.
“OK, Entschuldigung bitte, das war doch nur ein Witz, das mit der Maak”.

Sehr freundlich die Jungs. Wie früher.

Ich habe jedem beim Kübler einen LKW*
Mohnbrötchen mit Fleischkäse ausreichend belegt
spendiert und wieder einen
kleinen Frieden mit meiner Vergangenheit geschlossen.
Wenn auch der Sinn der Jungs eher nach anderen “Drogen” stand.

LKW= Leberkäswecken = ein Brötchen mit Fleischkäse belegt
Rotebühlplatz untere Ebene = Dealertreff
Schmier = Jargon für Polizei