Und dann war da noch der Kollege Willy, frisch mit einer Frisörin
verheiratet, der duftete echt drei Meilen gegen den Wind nach
allen möglichen Duftwässern. Neumodischer Nuttenduft eben.
Veilchen und Flieder.

Das war in den späten 60ern für Männer absolut unüblich.
Vor allem bei der Polizei.
Wir nannten ihn folglich Parfümi oder einfach Stinky.
Er litt darunter.
Alle seine Bemühungen, schlugen fehl.
Keiner rief ihn mit seinem Namen. Immer nur Stinky.

Dann starb er.
Es war ein glänzend goldener Herbst. Zur Grablegung schwebten
wunderschöne, bunte Blätter Weinlaub noch vor dem Sarg in die Grube.
Als wollte Gott sagen, komm zu mir, ich bette Dich weich.

Und was machte der jungenhaft unbekümmerte Jo (22J)
den sie auch Icke nannten ?
(Die Schwaben konnten damals mit der Kieler Heimat
von Jo nichts anfangen. Jeder, der drei Sätze zusammen
hängend rausbrachte oder fehlerfrei schreiben konnte,
kam für die Eingeborenen in die Schublade: Berliner.)

Der schrieb einen seiner 5Minuten - Reime.

Ein Stinktier das mit einem Mal,
nach Flieder roch, litt große Qual,
weil jeder, der ’s von früher kannte,
bei seinem alten Namen nannte.

Es mühte sich fünf Jahr’ vergebens,
fünf Jahre seines kurzen Lebens.

Und plötzlich dann im Morgenrot,
da lag es in der Höhle - tot.

Am Grabe dann drei Tage drauf,
zog man die Fahnen halbmast auf.

Man betete :” Wir stehen hier,
am Grab von unserm Fliedertier.

Hier duften lieblich seine Reste,
er war von uns der Allerbeste.

Amen.”

Fare well Willy.